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Gambia
"Die Sperrmüll-Connection ist eine besonders leichte Art, sich ein gutes Gewissen zu verschaffen. Was die Wohlstandsgesellschaft nicht mehr braucht, wird hier zur wertvollen Spende."
Nicola Reyk, NDR-Journalistin
 
Wie sich "Schrott" sogar in Gold verwandelt, zeigen Nutzmüll e.V. und seine Partner in Gambia seit 1993 mit einer deutsch/afrikanischen Sperrmüll-Connection. Über 500 meist fußbetriebene Nähmaschinen, 615 Schreibmaschinen, 495 Fahrräder sowie diverse Werkzeuge, Rollstühle, Gehstützen, Krankenhausbetten und Schulsachen sind inzwischen in Hamburg gesammelt, repariert und mit zehn Schiffscontainern ins 5.000 km entfernte Gambia gebracht worden.

Ein Empfänger und Verteiler des aufgearbeiteten Hamburger Wohlstandsmülls ist die Roman Catholic Mission in Banjul. Im Mai 2002 konnten viele weitere Projekte mit den "Schätzen aus der Mülltonne" unterstützt werden. Mit rund 3.200 Euro pro Container bezuschußt und somit überhaupt erst ermöglicht wurden die Transporte von der Hamburger Senatskanzlei und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ).

Dass dies viel Hilfe für wenig Geld ermöglicht, zeigen zwei Beispiele:

Im "Skill center" von Binta Sidibe, einer engagierten gambischen Soziologin, sitzen zwölf junge Frauen über ihre fußbetriebenen Nähmaschinen aus Hamburg gebeugt. Sie haben keinerlei Ausbildung, denn sie wurden früh schwanger und deshalb abgeschult. Bei Binta lernen sie Schneidern, Rechnen und Schreiben, während ihre Kinder im angeschlossenen Kinderhort betreut werden. Später werden sie in diesem Beruf Geld verdienen und so auf eigenen Füßen stehen können.

Die Fahrräder "verkürzen" den oft stundenlangen Schulweg in Gambia und ermöglichen vielen SchülerInnen überhaupt erst einen regelmäßigen Schulbesuch. Denn viele Kinder bleiben bei 35 Grad im Schatten, einen 15 Kilometer langen Fußweg auf staubigen Schotterpisten vor Augen, oftmals lieber zu Hause. In einem Land mit einer Analphabetenquote von 75 Prozent sind Fahrräder somit ein rollender Beitrag zum Abbau von Bildungshindernissen.

Der Baobab (Affenbrotbaum) ist ein in Westafrika weit verbreiteter Baum mit verkrüppelter Krone und weit verzweigtem Wurzelwerk. Einer alten Legende nach, spendete der Baobab einst erholsamen Schatten, bis ein rachsüchtiger Riese sämtliche Baobabs auf den Kopf stellte.

Unsere Entwicklungszusammenarbeit dient im übertragenen Sinne dem Ziel, den Baobab wieder auf die Füsse zu stellen. Deshalb ist, angelehnt an das Vorbild des Recyclinghofs in Hamburg, ein Ausbildungs- und Umweltwerkhof in Gambia in Planung. Angesichts einer Arbeitslosenquote von 60 Prozent ein wichtiges Vorhaben, um jungen Menschen in Gambia wieder eine Lebensperspektive und einen Grund zum Bleiben zu bieten.

Wenn Eltern das in Afrika oft übliche Schulgeld nicht mehr aufbringen können, droht die Abschulung. Die Folge: Keine Bildung, keine Zukunft. Deshalb übernahm 1994 Nutzmüll zunächst 25 Schulgeldpatenschaften. Inzwischen versuchen wir durch Basare und Spendenwerbung jährlich das Geld für 50 Schulkinder (insbesondere Mädchen) bereitzustellen. Für eine korrekte Abwicklung vor Ort sorgt die römisch-katholische Mission in Banjul.

Unser entwicklungspolitisches Engagement findet ferner seit 1996 ihren Ausdruck in der Mitgliedschaft im "Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V." sowie im Hamburger Zukunftsrat.

 

 

 

Unsere Hilfe für Gambia dient im übertragenen Sinne dem Ziel, den Baobab wieder auf die Füsse zu stellen

 

 

 

Junge Mädchen lernen das Schneiderhandwerk im Skill-Center von Binta Sidibe

 

 

Nutzmüll fördert und vermittelt jährlich 50 Schulgeld-
patenschaften

 

 

 

Unser Engagement in Gambia wird unterstützt von:
 
Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung
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